Olaf-Straube-steht-angelehnt-am-blauen-Sessel-der-am-Fluss-stehtSilvester. „Prost ich bin jetzt ein Künstler“. Einige Freunde, mit denen ich das neue Jahr 2005 in Schweden begrüße, stutzen einen Moment und verlangen lächelnd eine weiterführende Erklärung. „Ganz einfach. Ab heute bin ich ein Künstler! Besser gesagt, ein Sänger.“ antworte ich und denke mir zugleich in diesem Moment - jetzt habe ich es zum ersten Mal öffentlich gesagt. „Aber Olaf du bist doch ein Banker! Was machst du denn mit deinem Job?“ fragt mich ein Freund sehr verwundert. „Der hängt da, wo meine Krawatte jetzt hängt – am Nagel.“ antworte ich, mit einem Mix aus Gelassenheit und einer riesigen Vorfreude auf meinen ersten neuen Arbeitstag. Angefangen hat es so:

 

 („Der Kieselsteineffekt“)

(Textauszug aus dem Roman zur Musikalischen Biografie | Veröffentlichung ca.2016)

 

Ich bin wieder zuhause angekommen und klopfe aus meinen Laufschuhen die lästigen Kieselsteine heraus. Diese winzigen Steine fühlten sich gerade noch wie Wander-Felsen unter meinen Füßen an. Seit meiner Kindheit kenne ich dieses störende Laufgefühl. Nur im Gegensatz zu den heutigen fersengedämpften Hightech-Sportschuhen, konnten sich damals die steinigen Vorfahren, barrierefrei in meine einfachen Sandalen, Zutritt verschaffen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie oft ich die braunen Lederriemen, die an der Hartgummisohle vernäht waren, öffnen musste, um mich so von den Plagegeistern befreien zu können. Insofern ändern sich manche Dinge nie und spielen im Leben wohl immer eine Nebenrolle.

Es waren aber auch die gleichen Sandalen, die mich in meinem dreizehnten Sommer zu meinem Schlüsselerlebnis getragen haben. Die Sonne schien noch kräftig am Nachmittag auf mein frisch gebügeltes FDJ-Hemd, als ich auf dem Weg zur Schule war. Der Freie Deutsche Jugendverband, der fast alle Kinder aus der Pionierorganisation erbte, hatte mich schon mit so manchen plakativen Veranstaltungen genervt. Aber heute trugen mich meine Sandalen und das Blauhemd zu einer außerschulischen und vor allem freiwilligen Veranstaltung. Denn heute soll ein absoluter Megastar zu uns in die Schule kommen. Frank Schöbel. Bislang kannte ich ihn nur aus dem Radio oder dem Fernsehen. Selbstverständlich hatte ich auch Schallplatten von ihm, in meiner Sammlung, die ich vom Taschengeld kaufen konnte. Meine heimliche Textsicherheit machte mich zugleich auch zu einem heimlichen Fan von ihm. Er war für mich sehr präsent, trotz meines spärlichen Medienkonsums. Und heute soll ich diesen Star persönlich treffen? Meine Vorfreude teile ich mit weiteren zwanzig Schülern aus meiner Klassenstufe. Zusammen sollen wir heute Neues über seine Langspielplatte „Wovon ich träume“ erfahren. Mit gefühlten tausend Fragen an ihn betrete ich das Klassenzimmer. Die Tische stehen trotzig gestapelt an der Wand, bis auf einen, der den Stuhlkreis unterbricht und auf dem der Plattenspieler der Schule steht.

Neugierig am Fenster stehend, sehe ich jetzt aus einem braunen Wartburg Tourist zwei Männer aussteigen. Kein Zweifel! Das ist der Typ aus dem Fernsehen und von den zahlreichen Plattencover meiner Sammlung, aus denen ich unzählige Male die schwarzen Scheiben herausgezogen habe.

„Frank ist da.“, sage ich und setze mich zu den anderen. Frank ist da, wie das klingt. Als ob das ein Freund, ein Vertrauter, einer, den ich sehr gut kannte, sei. Wie wird er wirklich sein? Jetzt weit weg von den Flimmer- und Radiokisten, hier in meiner Welt, in meiner Schule, in meinem Klassenzimmer? Die Gedanken werden unterbrochen als jetzt die Magie, mit zwei Männern folgend, das Klassenzimmer betritt.

Mit einem: „Hallo, ich bin Frank und das ist mein Manager.“, stellt er seine in die Jahre gekommene Doktortasche ab, die auch die gleiche Farbe meiner Sandaletten hat. Ja, Frank ist wirklich da, denke ich mir. Kein Anzeichen von Starallüren, kein Ansatz von Oberflächlichkeiten sondern ein wahrnehmbares „Ich-bin-für-euch-hier-Gefühl“. Sein Leipziger Dialekt, passt zwar nicht zu dem Berliner Nummernschild seines Wartburgs, aber das ist auch das einzige was meiner Verprobung nicht standhält. Kein Zweifel, der Typ ist wirklich so toll. Während er über sich erzählt und uns nebenbei immer wieder ein Lied auf seiner Schallplatte vorspielt und sogar dazu noch mitsingt, verlieren wir stufenweise unsere Schüchternheit. Ich habe letztlich das Gefühl in Augenhöhe das Neueste aus dem DDR-Show-Business erfahren zu können. Seine Geschichten und seine Musik verwandeln mein tristes Klassenzimmer in eine funkelnde Show-Welt, die mich fortan einlud, in ihr meinen Sinn zu finden. Somit war mein Wunsch geboren, einmal das Gleiche tun zu wollen, wie Frank.

Und so starte ich tags darauf mit meinem Vorhaben. Nämlich, mit einer verstimmten Gitarre, an der nur drei Seiten aufgezogen sind und die von meinem schrägen Jaulen begleitet wird. Einfaches Nachsingen kam für mich nicht in Frage, da man ja immer mit dem Original verglichen werden könnte. Also stand für mich sofort fest, dass ich eigene Lieder erfinden muss.

Der erste Schritt war also gemacht. Doch dieser führte mich zunächst vor das große Tor, durch das man den grauen Alltag betritt. Und wie sicherlich viele meiner Altersgenossen, musste auch ich meine Wünsche und Träume gegen einen dieser Passierscheine eintauschen.

 

25 Jahre später

Ich hatte ihn immer noch, diesen Traum und inzwischen auch eine Berufsausbildung zum Maschinen-und Anlagenmonteur, einen Abschluss als Versicherungsfachmann, ein mit Prädikat Gut abgeschlossenes Finanzwirtstudium und ein dazugehöriges Berufsleben. Alles schien so normal und das im positiven Sinne gesehen. Natürlich habe ich mich seither in meiner Freizeit sehr viel mit Musik beschäftigt. Ich brachte mir weiterhin autodidaktisch das Gitarre spielen bei, komponierte `ne Menge Lieder, nahm am Konservatorium "Georg-Friedrich Händel" in Halle (Saale) Gesangsunterricht für Popularmusik und trainierte meine Stimme an der Hochschule für Musik und Theater, in meiner jetzigen Heimatstadt Rostock. Da ich beruflich zu dieser Zeit als ein Spezialist für mehrere Bankhäuser zuständig war, hatte ich natürlich mit sehr vielen Menschen zu tun. In einem Beratungstermin mit einem Veranstalter, in dem es um Risikotarifierung ging, also darum, was bei einer Veranstaltung alles versicherungstechnisch zu beachten sei, hatte es mich wie damals wieder gepackt. "Olaf! Du wolltest doch mal...", sagte meine innere Stimme zu mir. Am selben Dezemberabend stellte ich also meine Weichen endgültig. Ich rief in einem Tonstudio an, vereinbarte einen Termin und sang da vor. Daraus entstand eine Zusammenarbeit. Ich produzierte meinen ersten Song "Nur wir beide". 

 

Radio und Co

Mit dieser CD in der Hand und einem vereinbarten "Aber-Nur-Drei-Minuten Termin", fuhr ich nach Berlin zu dem Stadtradio „88acht“ vom rbb. Ich bat den Musikredakteur Jürgen Jürgens meine CD zu hören und dann zu entscheiden, ob mein Titel für ihn in Frage käme. Er hörte ihn sich an und sagte: "Klasse, den probieren wir mal in der Hitparade und testen ihn ". Wir sprachen wir noch eine Weile, bis ich anschließend zurück fuhr. Dann ist es passiert. Aus der Neuvorstellung heraus, platzierte sich der Titel "Nur wir beide" in der Folgesendung auf dem elften Platz. Ich hatte mit guten Freunden dieses Ergebnis in einer "Hitparadeneinstiegsparty" gefeiert und das Versprechen geben müssen, den nächsten Titel bald folgen zu lassen. Mit dem zweiten Song „Doch für dich“  löste ich dieses auch ein und erreichte unter anderem - Platz drei in Berlin, Platz sieben in der Deutschen Schlagerparade des MDR Sachsen-Anhalt und Platz fünfzehn beim WDR4 sowie zahlreiche Platzierungen in den Internetradios.

 

Auf die Bretter fertig los

Mein Traum wurde öffentlich, die Feedbacks beflügelten mich und ich hatte jetzt den Wunsch auf eine Bühne zu kommen. Nur auf welche? Ich sprach mit einem Sportfreund darüber und dieser sagte mir, dass gerade Andrea Berg tourte. Ich rief den Tourmanager an und warb darum, mich als Sänger ins Vorprogramm zu nehmen. Nachdem er alles geprüft und abgesprochen hatte, gab er mir diese bedeutsame Gelegenheit, meine Lieder zum ersten Mal vor 4.500 Menschen live zu präsentieren. Dafür produzierte ich den dritten Song „1000 Mal“.  Ich denke noch sehr oft an die gemeinsamen Telefongespräche mit dem Tourmanagement und weiß aus heutiger Sicht, wie dankbar ich sein kann, dass sowohl dieses, als auch Andrea Berg, mir die Möglichkeit dazu gaben. Für mich war dieses Erlebnis unbeschreiblich schön und stählte mich in meinem künstlerischen Vorhaben.

Es folgten jetzt zahlreiche Auftritte, auch mit Andrea Berg, Roland Kaiser, Matthias Reim, Marianne Rosenberg und natürlich immer mehr eigene im Inn- und Ausland. Ebenso startete ich meine erste Tour unter dem Namen „Doch für dich – Tour“.

 

CDs , Musik- und Auftragsproduktionen

2005 hatte ich dann die erste CD „Doch für dich“ unter meinem eigenen Label „Straube Records“ produziert. Die zweite CD „But for you“  folgte kurz danach. Für die Hanse Sail, eines der größten maritimen Volksfeste in Deutschland, durfte ich den ersten Offiziellen Song „Macht die Anker fest“  produzieren. Dieser erschien zur 16. Hanse Sail, die sich ebenso in der internationalen Baltic Sail integriert, auf der gleichnamigen CD. Als Komponist und Textdichter habe ich weiterhin für Wirtschaftsunternehmen musikalische Werke produziert. Zahlreiche CD-Kopplungen trugen ebenso dazu bei, mich auf dem europäischen Markt musikalisch vorzustellen. Mit meinem Debütalbum „Eine Hand voll Nacht“  erfolgte der Sprung in die Musikalische Bundesliga. Derzeit arbeiten wir am zweiten Musikalbum mit dem Ziel, meinen musikalischen Korridor für Neugierige entdeckbar zu gestalten.

 

Jetzt auch noch Autor?

Vieles ist naheliegend und passt auch sehr gut zueinander - vorausgesetzt, die Ideen begleiten dich. Und während ich mal wieder beim Joggen war, kam eine solche. Diese war eingebettet in den Überlegungen, wie ich mein Debütalbum interessant „verpacken“ könnte. Und etwa ein dreiviertel Jahr später ist es mir gelungen mein Musikalbum „Eine Hand voll Nacht“ quasi im 4/4-Takt, lesbar zu machen. Nämlich mit dem ersten gleichnamigen Schlagerroman.

  

Eine Lektorin aus Jena schrieb dazu (Auszüge):

„Der Roman verbindet in einem neuartigen Konzept Musik und Literatur und schafft so auf stimmige Weise eine Art multimedialen Roman. Die Themen Liebe, Romantik, die Frage nach den Funktionsmechanismen von Paarbeziehungen aber auch nach dem Tod, sind für eine große Lesergruppe relevant und werden unsentimental aber niemals banal verhandelt. Der transnationale Kontext ergänzt den Roman um eine weitere interessante Ebene.

Die Musik der dazugehörigen CD wird sehr gut in den Romanverlauf integriert, ohne dass diese Verknüpfung unauthentisch wirkt. Aufgrund der emotionalen Verbindung der einzelnen Lieder mit Situationen und Charakteren innerhalb der Erzählung, kann der Leser tatsächlich ein Interesse für die Musik entwickeln. Insgesamt empfinden wir das Romankonzept als äußerst gelungen,…“

 

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2015, wird dieser erste Schlagerroman in Deutschland dann persönlich präsentiert.    Buchinformation hier

 

Was ist für mich wichtig?

Sicherlich könnte ich jetzt viele Gedanken anmerken, die mich durch diesen kurzen musikalischen Biografieauszug getragen haben. Reduzierte ich, unmöglicher Weise, alles auf einen gemeinsamen Nenner, so entstünde wohl das Wort „Begeisterung“. Für mich ist es wirklich sehr wichtig, meine Berufung als Künstler mit Begeisterung auszufüllen und diese meinem Publikum und meinen Geschäftspartnern anzubieten.

 

Was möchte ich nicht vergessen?

Die Liebe zur Musik und darüber hinaus mich bei allen zu bedanken, die mich ein Stück meines Weges begleitet haben.

  

Das Wichtigste zum Schluss.

Bleiben Sie bitte neugierig!

Quelle: Straube Musikverlag